Nachhaltige Stadtentwicklung: Journalistenreise nach Nairobi & Addis Abeba

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Foto: K. Versick

Manchmal kommen Fleiß und Glück zusammen und es ergibt sich eine großartige Chance. In meinem Fall führte diese Kombination zu einer Journalistenreise mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) nach Nairobi und Addis Abeba. Die Überschrift: Nachhaltige Stadtentwicklung. Da ich mich mit Nachhaltigkeit in puncto Kleidung und Ernährung ausgiebig auseinandergesetzt habe, fand ich den Aspekt Stadtentwicklung spannend. Zumal ich mir erst mal rein gar nichts darunter vorstellen konnte. Aber dazu später mehr. So saß ich also Ende Januar 2017 mit fünf weiteren deutschen Journalisten und dem Organisator der Reise von der DGVN im Flieger Richtung Nairobi.HimmelFlugAuf dem Flug war ich ganz schön aufgeregt. Wie wird das werden? Werde ich genug Geschichten mitbringen, um die Redaktionen mit den versprochenen Beiträgen beliefern zu können? Ich war noch nie bei den Vereinten Nationen, wie das wohl sein wird?

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Meet the Clique: Die KollegInnen von der Schwäbischen Zeitung, Badisches Tagblatt, Berliner Zeitung, der Zeitschrift Kulturaustausch und dem DGVN. Der Fotokönig vom Mindener Tageblatt ist leider nicht auf dem Bild. Foto: K. Versick

Es ist eine ganz andere Welt, diese Welt der Entwicklungszusammenarbeit, der Expats, der KfW, der Vereinten Nationen und der verschiedenen UN Gewerke. Es wimmelt nur so von Abkürzungen, guten Absichten und Bürokratie.

Unser Themenschwerpunkt Nachhaltige Stadtentwicklung gehört in das Arbeitsgebiet von zwei UN Programmen, zum einen zu UN Habitat und zum anderen zur UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Die Mitarbeiter der einzelnen Programme und Träger waren ganz schön beeindruckend. Ich bin noch ganz geflasht von Ibrahim Thiaw, dem stellvertretenden Chef des UNEP. In sehr prägnanten Worten hat er uns von den Herausforderungen erzählt, die vor allem Städte in Afrika – aber auch weltweit – zu bewältigen haben. Das schnelle Wachstum bringt mit sich, dass die Menschen in den Städten Zugang zu Energie brauchen werden, wie werden sie sich ernähren, wie werden sie konsumieren? Das gilt es jetzt zu planen und sich jedes mal aufs Neue zu fragen, ob eine schnelle, günstige Lösung oder eine nachhaltige – eventuell zunächst teurere – Lösung zu favorisieren gilt.

Die Worte dieses beeindruckenden Redners haben noch lange in meinem Kopf nach gehallt. Es heißt dass in 2050 rund zwei Drittel der Menschen auf der ganzen Welt in Städten leben werden. Die müssen alle irgendwo wohnen, irgendwie zu Arbeit gelangen, diese Menschen wollen einkaufen, essen, am kulturellen Leben ihrer Stadt teilhaben. Fahren sie mit dem Fahrrad? Gibt es überhaupt Fahrradwege, warum sollten sie nicht mit dem Auto fahren?

So trocken das Thema Stadtentwicklung eingangs klang, spätestens nach dem Vortrag von Ibrahim Thiaw war ich drin. Aber das irgendwas gemacht werden muss, wurde uns Journalisten schon am ersten Tag klar. Den Verkehr in Nairobi hab ich schlichtweg als ätzend in Erinnerung. Ganz gleich, wo wir hin wollten, mindestens eine Stunde Fahrtzeit.

Sehr anschaulich waren auch die Field Trips. So hieß es, wenn wir konkret Projekte besucht haben, wie beispielsweise die „informelle Wohnsiedlung“ in Imara Daima bei Nairobi und die Schule für die Kinder dieser Wohnsiedlung, die vom Orden „Sisters of Mercy“ betrieben wird.

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Preisliste am Wasserkiosk. Foto: Hindi Kiflai

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Warteschlange am Wasserkiosk. In einen Kanister passen 20 Liter Wasser. Foto: K. Versick

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Schüler der Primary School St. Bakhita & St. Michael. Foto: Hindi Kiflai

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Schüler der Primary School St. Bakhita & St. Michael. Foto: K.Versick

Und spätestens hier ist mir deutlich geworden, dass ich ein großes Problem damit habe, vor Ort zu fotografieren. Meinen Kollegen und Kolleginnen ging es glaube ich nicht so. Aber vielleicht weil ich in irgendeiner Weise auch zu den von uns beobachteten Menschen gehöre, hatte ich ein komisches Gefühl, einfach drauflos zu fotografieren und Menschen auf meinen Bildern festzuhalten. Ich weiß ja, dass meine Fotos nicht einfach nur in einem privaten Album landen, sondern öffentlich zugänglich sein werden. Selbst wenn ich gefragt habe, ob ich die Leute fotografieren darf, war mir unwohl dabei. Ausführlich zu erklären, dass ich Journalistin bin und diese Fotos im Internet auftauchen werden, dass habe ich gemacht, wenn ich konkret eine Person fotografiert habe und Zeit hatte. Aber beim oberen Foto, bei dem ich mit den Kindern zu sehen bin, da habe ich es nicht gemacht und habe mich in Sicherheit gewogen, weil wir als Journalistengruppe ja angekündigt waren. Dürftige Argumentation, sagt mein Bauch. Musste schnell gehen, sagt mein Kopf.

Auch wenn die KollegInnen oder deutsche Mitarbeiter vor Ort Dinge kommentiert haben, war ich erschrocken, ob der Sichtweise oder der Wortwahl. Dann wurde mir klar, dass hier unbewusst noch ein ganz anderer Film abläuft. „Wir bringen denen was bei, wir wollen denen erklären, wie es funktioniert, wir wollen, dass die verstehen, dass Umweltschutz wichtig ist…“ Wer ist wir? Und was wenn ich zu „wir“ und zu „die“ gehöre? Auch das noch leider Gedankenfetzen, die in meinem Kopf einen Platz suchen, um zu einer klaren Meinung und Haltung zu werden.

Aber zurück zur Reise: Nairobi und die damit verbundenen Besuche bei den Vereinten Nationen haben viel mit mir gemacht. Fragen zu persönlicher Haltung, White Supremacy, Nachhaltigkeit im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit schwirren in meinem Kopf herum. Wie lange geredet und geplant wird, bis tatsächlich etwas geschieht. Gleichzeitig die Freude darüber, dass es Menschen gibt, die nicht nur Reden und ganz clevere Gedanken ausbrüten, sondern tatsächlich Dinge umsetzen und beispielsweise Wasserkioske konzipieren und bauen, so dass auch Menschen in den Armen Vierteln Zugang zu Wasser haben.

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Leider lag ich einen Tag flach in Nairobi, sodass ich meine Neugierde auf Professor und seine Dienste nicht befriedigen konnte. An gefühlt jedem Baum, jedem Zaun und Schild hingen Plakate von Männern, die sich Professor, Doktor Daka oder Healer nannten und Dienstleistungen wie „Bring back lost lover“ und „Protection“ angeboten haben. Ich habe dazu Rodney, einen jungen Kenianer, der uns eines der Projekte erklärt hat, befragt. Rodney ist Christ und sagt, natürlich sind die, die das über die Plakate anbieten nur Scharlatane. Außerhalb Nairobis gebe es jedoch wirklich solche Heiler, die mit traditioneller Schwarzer Magie helfen könnten und wahre Wunder vollbrächten. Dazu werden aber meist Dinge benötigt, die schwer zu finden sein, wie ein Huhn, dass rote Krallen hat. Bevor ich aber mein Anliegen (ich dachte da an so etwas einfaches wie Job Promotion) mit dem Professor hätte besprechen können, haben mich Fieber und Gliederschmerzen gepackt.

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Europäisches Essen, entsprechende Preise und eine tolle Atmosphäre auf der Terrasse des Big Five Restaurants. Foto: K. Versick

Ach ja, natürlich haben wir am letzten Tag einen Ausflug zum Ole Sereni Hotel zum Frühstücken gemacht. Von der Terrasse des Restaurants „Big Five“ hat man einen sehr hübschen Blick über den Nairobi National Park und kann wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung sehen. Leider haben wir weder Büffel, noch Löwe, noch sonst eines der Big Five gesehen, dafür aber den leckersten Mangosaft der Stadt getrunken!

  1 comment for “Nachhaltige Stadtentwicklung: Journalistenreise nach Nairobi & Addis Abeba

  1. Eli
    Februar 14, 2017 at 10:57 am

    Ich bin begeistert von dir,von deiner Reise und von deiner Art zu schreiben.
    Wer sind wir?
    Wer sind die?
    Ich gehöre zu denen und auch irgendwie zu wir?
    Das kann ich so gut nachvollziehen.
    Ganz ganz toll Hindi!!!

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