Tag 318: COS Kleid & Interview mit „Grün ist das neue Schwarz“

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Ich habe die Nacht kaum geschlafen, weil ich gefühlt alle Nachrichten zu den Anschlägen in Paris gesehen habe. Heute war mir dann nach viel Ruhe, so dass wir einen Tagesausflug in den Taunus gemacht haben. Dafür musste es etwas so bequemes wie dieses dunkelblaue COS Kleid sein.COSAlma01 COSAlma03

Ich habe gestern in der 13 die liebe Alma kennengelernt, die ganz fleißig Schmuck herstellt. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche der Ketten ich gerne hätte. Was meint ihr, Kreise oder Raute?? Ich bin überfordert.

Als ich mich für diesen Selbstversuch vorbereitet habe bin ich über verschiedene interessante Blogs gestoßen. Zum Beispiel „Grün ist das neue Schwarz“. Lustigerweise habe ich jetzt mit der Macherin des Blogs Ellen Köhrer schon mehrfach zu tun gehabt. Sie hat die – wie ich finde – wundervollen Artikel zu DailyRewind in den Zeitschriften „Noveaux“ und „Das Magazin“ geschrieben. Sie ist schon seit Jahren nachhaltig unterwegs und eine echt spannende Frau. Woher ich das weiß?
Ich habe Ellen für Euch interviewt:

Büro3+erste Buchlayouts_copyright Ellen Köhrer

DR: Wie bist Du so grün geworden?

ELLEN: Grün ist meine Lieblingsfarbe. Wirklich. Ich fühle mich nicht grün, ich glaube ich war schon immer so. Habe wenig Kleidung gekauft, und wenn dann Qualität. Am liebsten schlichte und sportliche, zeitlose Sachen. Als Kinder haben meine Geschwister und ich die selbst genähten Kleider unser Mama und die Kleider unserer Cousinen und Cousins getragen. Das war für uns damals ganz normal. So war das im Schwabenland der 1970er und -80er Jahre. In meiner Jugend war ich dann Popperin mit Seitenscheitel, Papas Streifenhemd und meinem ersten selbst genähtem Faltenrock aus Leinen. Die Marken und Billigketten, wie es sie heute gibt, kamen damals gerade erst auf. Meine Schwester und ich haben früher viele Sachen selbst genäht. Fast Fashion hat mich nie richtig interessiert. Ich kann auch diese Dumpingpreise immer noch nicht fassen. Das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber mein allererstes T-Shirt das ich mir mit 14 von meinem Taschengeld gekauft habe, hat 25 Mark gekostet, das war das Billigste was es damals gab. Im Grunde meines Herzens bin ich wohl die „grüne Schwäbin“ geblieben, die den grünen Lebensstil lebt, ohne groß darüber nachzudenken. Und seit ich mich mit nachhaltiger Mode beschäftige, bestätigt das nur meine Haltung.

 

DR: Stell uns Deine drei Lieblingsteile aus Deinem Kleiderschrank vor

ELLEN: Zur Zeit sind das meine Isabel Marant-Jacke im Chanelstil aus Bouclewolle mit Glitzerfäden – mein bestes Secondhandschnäppchen von Soer am Prenzlauer Berg. Dazu ein dunkelblaues, klassisches T-Shirt von Freitag und meine blaue Skinnyjeans von Mud Jeans.

 

DR: Was willst Du mit dem Blog erreichen?

ELLEN: Ich will zeigen, das nachhaltige Mode modisch ist. Vorurteile abbauen, weil immer noch jeder zweite Journalist, der über nachhaltige Mode schreibt, verwundert bemerkt, dass es keine Sackmode mehr ist wie damals zu ihren Anfängen in den 1980er Jahren. Bruno Pieters sagte mal, als er sein Label honest by. beschreiben sollte: „It’s just fashion. Made in a conscious way“. Und das bringt es meiner Meinung nach exakt auf den Punkt. Ich will zeigen, dass es in dem Bereich ganz viele, großartige, kleine Labels mit innovativen Ideen gibt. Und mit einigen spreche ich, porträtiere sie und stelle sie vor.

Ich selbst liebe Bücher, Mode und Kunst und deshalb stelle ich auch Modebücher vor, die mir gefallen oder Modeausstellungen bekannter Designer wie Alexander McQueen zum Beispiel.

Ich will meine Leser aber auch aufklären, denn leider ist die Textilindustrie auf Platz 2 der umweltschädlichsten Industrien weltweit. Es hilft also unserer Umwelt und schließlich uns selbst nahhaltige Mode zu kaufen, Secondhand zu kaufen, zu tauschen, Kleidung zu leihen oder zu leasen. Und darüber schreibe ich.

Außerdem wünsche ich mir faire Arbeitsbedingungen und Sozialstandards, denn der Baumwollbauer in Indien oder die Näherin in Bangladesch oder Kambodscha sind diejenigen, die unter den Dumpingpreisen am meisten leiden. Ich habe für meine Recherchen Textilfabriken in Bangladesch besucht und war in Slums von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh, wo die Näherinnen leben. Mir fällt es schwer zu begreifen, dass Menschen, die unsere Kleidung herstellen, kaum davon leben können und dass gleichzeitig die Textilketten ständig neue Rekordgewinne und jährlich über 20 Prozent Wachstum einfahren. All diese ganze Punkte sind Antrieb für meinen Blog und die Themenvielfalt ist riesig und spannend.

 

DR: Verzichtest Du auf Fast Fashion, wenn ja, fällt es Dir schwer?

ELLEN: Ja. Aber das fühlt sich für mich nicht als Verzicht an. Natürlich habe auch ich Söckchen und Strumpfhosen von H&M im Schrank, aber seit ich mich mit nachhaltiger Mode beschäftige, gehe ich nur noch zu H&M oder Zara zum Rumstöbern, und komme ohne etwas gekauft zu haben, wieder raus. Ich habe seit jeher ein Händchen für Qualität und finde selbst bei Zara Langlebiges. Vor etwa 10 Jahren habe ich dort ein Seidenkleid gekauft, das ich sehr liebe und schon auf diversen Hochzeiten getragen habe, das immer noch aussieht wie neu.

 

DR: Siehst Du Secondhand Mode als einen Bereich der grünen Mode?

ELLEN: Ja. Wie bereits erwähnt. Und da bist Du nicht ganz unschuldig dran!

 

DR: Wann wird es grüne Mode Ketten geben, die ähnlich wie Zara oder H&M flächendeckend agieren?

ELLEN: Puh. Das wünsche ich mir auch schon länger. Mir fehlen coole, schicke Conceptstores mit nachhaltiger Mode. In Berlin gibt es ja den ein oder anderen. Und ich weiß von einer Schweizer Designerin, die an einem Franchisesystem für grüne Mode dran ist. Aber flächendeckend wird das wohl noch bis 2020 dauern. Weil der Modeeinzelhandel gerade schwierige Zeiten durchmacht und meiner Meinung nach wenig bereit ist, in neue Konzepte zu investieren. Weil das erst mal teuer und ein immenses Risiko ist. Es bräuchte also mehr mutige Investoren, die moderne Shopkonzepte wie etwa „& Other Stories“ von H&M in grün und nachhaltig aufziehen und mit den vielen, tollen, nachhaltigen und innovativen Labels und deren Mode, Schuhe und Accessoires bestücken.

 

DR: Was machst Du wenn Du nicht bloggst?

ELLEN: Ich bin hauptberuflich Journalistin und schreibe für Magazine und Tageszeitungen über nachhaltige Mode, Design und das Modebusiness. Gerade habe ich, zusammen mit Magdalena Schaffrin, Designerin und Gründerin des Greenshowrooms, ein Modebuch geschrieben. Das wird im nächsten Frühjahr im Prestel Verlag erscheinen. In meiner Freizeit lese ich viel, mache Yoga, koche mit Freunden oder fahre am Wochenende raus an die Seen im Berliner Umland, um den Kopf frei zu bekommen.

Freitag_copyright Ellen Köhrer

 

Coole Frau, die Ellen, nicht wahr??

 

Nachtblaues COS Kleid: 19.00 € Oxfam
Mango Blazer: 12.50 € Oxfam
Vans: 20.00 € Flohmarkt

  2 Replies to “Tag 318: COS Kleid & Interview mit „Grün ist das neue Schwarz“”

  1. Meike
    November 15, 2015 at 4:46 pm

    Liebe Hindi,
    Inspiriert durch deinen Blog habe ich mich Freitag das erste mal bei oxfam in Hannover umgesehen und gleich ein Paar absolut toller schwarzer Pumps gefunden. Sie passten wie angegossen und das bei meinen langen und schmalen Füßen! Ich bin super happy und werde bestimmt öfter in den oxfam Läden vorbei schauen 🙂

    • Hindi
      November 16, 2015 at 9:14 am

      Oh liebe Mike, wie cool ist das denn??? Toll, ich freu mich sehr, dass Du fündig geworden bist und wünsche Dir viele solcher Schätze. Spread the word my dear!

      Hindi

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